Ich war kürzlich aus privaten Gründen in Shanghai und entschied mich, statt in einem Standardhotel drei Nächte im Green Court Residence City Center, Shanghai, People's Square zu verbringen. Ursprünglich hatte ich es nur wegen seiner Lage am Huangpu-Fluss und der Nähe zu meinem Zielort gewählt; doch als ich abreiste – den Koffer in der Hand –, blickte ich zurück und plante bereits meinen nächsten Aufenthalt dort.
Ich kam am Abend an. Als ich von Lujiazui kommend in die Einfahrt abbog – die eher wie der Eingang zu einer Wohnanlage wirkte –, ließ ich die Hektik des Bund sofort hinter mir. Im Empfangsbereich herrschte nicht das chaotische Gedränge, wie man es von Hotelketten kennt; nach der Vorlage meines Ausweises überreichte mir der Mitarbeiter einen handgeschriebenen Zettel mit Hinweisen auf einen Laden für *Shengjian* (in der Pfanne gebratene Teigtaschen) und einen rund um die Uhr geöffneten Minimarkt – beides nur fünf Gehminuten entfernt. Es war kein austauschbarer, massenproduzierter Reiseführer, sondern eine Empfehlung voller praktischem Insiderwissen, über das nur ein Einheimischer verfügt.
Ich hatte eine Suite mit einem Schlafzimmer und einem kleinen Wohnbereich gebucht. Beim Betreten war mein erster Gedanke: „Das fühlt sich nicht wie ein Hotel an, sondern wie ein Zuhause auf Zeit in Shanghai.“ Es gab keine sterilen, uniformen weißen Wände; die Holzmöbel in warmen Farbtönen fühlten sich angenehm glatt an und wiesen nicht jene raue, billige Oberfläche auf, der man oft begegnet. Die offene Kochnische war überraschend gut ausgestattet – mit komplettem Kochgeschirr und sogar einem Geschirrspüler. Da ich bei Hotelaufenthalten immer Lust auf eine Schale heißen Congee habe, ging ich noch am selben Abend nach unten, kaufte etwas Gemüse und kochte mir eine einfache Schale Reisbrei – ein Erlebnis, das weitaus angenehmer war, als sich für eine schicke Mahlzeit am Bund in eine Schlange einzureihen. Das Bett im Schlafzimmer bot genau den richtigen Härtegrad – nicht diese übertriebene Weichheit, bei der man einsinkt und Mühe hat, wieder aufzustehen. Am Fenster befand sich ein kleiner Schreibtisch; Als ich bis spät in die Nacht wach blieb, um Unterlagen zu ordnen, konnte ich immer wieder einen Blick auf die Lichter am Fluss erhaschen, die durch die Lücken zwischen den Gebäuden schimmerten – ein Anblick, der weit entspannter und authentischer wirkte als die inszenierten Ausblicke jener „Instagram-tauglichen“ Zimmer, die rein auf den Fluss ausgerichtet sind.
Die größte Überraschung war der Gemeinschaftsbereich; er war nicht bloß eine Kulisse für Social-Media-Fotos, sondern ein Ort, an dem man tatsächlich verweilen wollte. Das gemeinschaftliche Wohnzimmer im zweiten Stock bestach durch ein raumhohes Bücherregal. Nachdem ich am nächsten Nachmittag meine Erledigungen gemacht hatte, saß ich dort zwei Stunden lang mit meinem Laptop; ganz in der Nähe las ein anderer Gast seinem Kind aus einem Bilderbuch vor. Niemand drängte mich dazu, etwas zu bestellen, und niemand störte mich. Der kleine Garten im Erdgeschoss ist voller Hortensien; bei einem Spaziergang nach dem Abendessen traf man oft auf Anwohner, die mit ihren Hunden Gassi gingen, oder auf einheimische Damen, die sich auf Bänken unterhielten und sich dabei Luft zufächelten – ein wohltuender Kontrast zur unpersönlichen Atmosphäre gewöhnlicher Hotels, in denen sich die Gäste nur kurz die Klinke in die Hand geben.
Auch die Lage ist herrlich; der South Bund ist nur zehn Gehminuten entfernt. Anstatt sich in die überfüllte U-Bahn zu zwängen, kann man gemütlich am Flussufer entlangschlendern und direkt neben der neu angelegten Uferpromenade die alten *Longtang* (traditionelle Gassenviertel) von Shanghai entdecken. Am dritten Tag stand ich früh auf und schlenderte – fernab der überlaufenen Touristenattraktionen – in ein nahegelegenes Wohnviertel, um Sojamilch und *Youtiao* (frittierte Teigstangen) zu kaufen. Als ich unten auf einer Bank saß und mein Frühstück genoss, während eine Brise einen Hauch der Feuchtigkeit des Huangpu-Flusses herüberwehte, vergaß ich völlig, dass ich eigentlich geschäftlich hier war.
Früher hielt ich Serviced Apartments schlicht für „Hotels mit Küche“, doch dieser Aufenthalt hat mich eines Besseren belehrt. Was wirklich überzeugt, ist nicht nur die umfassende Ausstattung; es ist die Tatsache, dass man nicht wie ein flüchtiger Gast behandelt wird, sondern einen Einblick in den Alltag Shanghais erhält – eine Gelegenheit, einmal einen Gang zurückzuschalten. Wenn ich das nächste Mal das Ufer des Huangpu besuche, werde ich mich definitiv wieder für diese Unterkunft entscheiden.Mehr anzeigen